Verschläft Deutschland den digitalen Wandel?

Die Unternehmensberatung Accenture hat eine Studie herausgegeben, nach der Deutschland Wachstumspotential verschenkt, weil es in der Digitalisierung hinterher hinkt. 

In der Analyse von 17 Volkswirtschaften landete Deutschland auf Platz neun - nur knapp vor China. Die Niederlande schneiden in Sachen Digitalisierung hingegen am stärksten ab.

Nachholbedarf in Deutschland
Sowohl, wenn es darum geht, innovative, digitale Unternehmen zu gründen, als auch bei der Infrastruktur und bei den Regeln für die digitale Wirtschaft sieht die Studie Nachholbedarf in Deutschland. In allen großen europäischen Volkswirtschaften sei beispielsweise die Versorgung mit Breitbandinternet und mobilem Internet besser als hierzulande.

Das ist gerade Kommunikatoren, wie wir wissen, nicht neu und viele sind genervt. Besonders, wenn wir auf  spannenden Veranstaltungen sind und Facebook-Live-Videos posten oder mit Bildern schnelle Status-Updates geben wollen, wippen auch wir nervös in unseren Stühlen hin und her, wenn mal wieder gar nix geht.   

Schneller immer besser?
Doch es gibt auch gute Nachrichten. So hätte Deutschland trotz der Schwächen erhebliche digitale Kompetenzen und Stärken. Beispielsweise seien deutsche Unternehmen Weltklasse darin, Technologie in der Produktion einzusetzen und in der eigenen Unternehmensstrategie technologische Entwicklungen zu berücksichtigen. Deutsche Unternehmen stürzen also offenbar nicht gleich los, sondern handeln mit Bedacht, strategisch, dadurch zwar langsamer aber mit Hand und Fuß.

Manchmal ist es eben besser, sich kurz zurückzulehnen und zu sehen, was ein neuer Hype wirklich taugt. So war Pokémon Go beispielsweise ein gutes Projekt, für Unternehmen, die als "Early Adopter" schnell an Bord sein mussten. Doch viele Unternehmen hätten sich an diesem Thema die Finger verbrannt, wenn unbedingt mit dabei hätten sein wollen und nun nach kurzer Zeit der Trend schon wieder stark abgeebbt ist. 

Digitalisierung = Frage der Kultur?
Verschlafen wir nun also den digitalen Wandel? Und wenn ja, warum schaffen wir den Anschluss nicht?
So freudig viele Deutsche im Privaten bereitwillig Trends mitmachen, Gadgets ausprobieren und soziale Netzwerke nutzen, so skeptisch sind wir doch häufig im beruflichen Umfeld. Wir sehen in vielen deutschen Unternehmen eine Kultur, in der die Dinge richtig und gründlich, nicht aber schnell gemacht werden. Risiken werden sorgfältig abgewogen und vielfach fällt es Unternehmen schwer, Fehler als ganz normal anzusehen. Vielmehr herrscht eine perfektionistische Null-Fehler-Kultur, die hemmt. Sowie unsere Sicht erstmal ganz wertfrei. Fakt ist also, dass wir uns nicht einfach Lösungen und Wege anderer Länder überstülpen können, auch wenn wir manchmal neidisch zu den Niederländern herüber schielen. Um erfolgreich in der Digitalisierung Schritt zu halten, müssen deutsche Unternehmen eigene Wege finden, die ihre Kultur berücksichtigen. Dazu kann eine eher zurückhaltende und risikobewusste Kultur gehören, in der viel Diskurs und Dialog nötig ist, um Veränderungen voranzutreiben. Dazu kann aber beispielsweise auch eine rational getriebene Arbeitsweise gehören, die zunächst Meinungsforschung betreibt, Studien heranzieht und basierend auf wissenschaftlichen Erkenntnissen Entscheidungen trifft und legitimiert.

Fazit
Wir müssen nicht auf jeden Zug aufspringen. Zweifelsfrei brauchen wir aber eine bessere Infrastruktur und Ressourcen, um unnötige Hürden für die Digitalisierung abzubauen. Wir sind optimistisch und sehen große Chancen darin, dass hierzulande eher ein überlegter und fundierter Prozess stattfinden kann, der nicht blind jedem Trend folgt.